Informieren Sie sich über die Bestimmungen der Versailler Verträge und ihre Folgen für Deutschland. Argumentieren Sie, welche Auswirkungen die Versailler Verträge auf Deutschland hatten. Überlegen Sie auch, ob sie auch mitverantwortlich für den Zweiten Weltkrieg waren. Berücksichtigen Sie dabei die folgende die Aspekte:
- Aussagen der Präsidenten von Frankreich, England und die USA
- territoriale, wirtschaftliche und militärische Auflagen
- die Schuldfrage
Argumentieren Sie mit konkreten Beispielen aus den Informationen auf dieser Seite.
- Der diktierte Friede, 1919
- Frieden nach solch einem Krieg?
- Die Schuldfrage
- Die Folgen der Versailler Verträge
Wir haben uns bereits mit dem Ende des Krieges und den Versailler Vertrag befasst und gesehen, dass die Gewinnermächte Deutschland stark unter Druck gesetzt haben. Mit der Unterzeichnung der Versailler Verträge wurde Deutschland als alleiniger Schuldiger des Krieges gebrandmarkt und gedemütigt. Dies Entscheidung der Sieger, hat Deutschland für Jahre gebrandmarkt und war mitverantwortlich, dass extremistische politische Gruppierungen, wie die Nazis Aufwind erhielten.
Der diktierte Friede, 1919
Frieden nach solch einem Krieg?
Im Herbst 1918 aber näherten sich das Osmanische Reich, Bulgarien und Österreich Ungarn dem Zusammenbruch. Auch die militärische und wirtschaftliche Lage des Deutschen Reiches verschlechterte sich ständig. Daher mussten die Mittelmächte in einen Waffenstillstand einwilligen, ihre Truppen zurückziehen und zum Teil entlassen. Das führte zu Umstürzen bei den Besiegten. In Deutschland wurde der Kaiser abgesetzt und eine demokratische Republik ausgerufen. Da aber Teile der Arbeiterschaft eine sozialistische Republik mehr oder weniger nach sowjetischem Muster anstrebten, kam es vor allem in Berlin und München zu heftigen Kämpfen und bügerkriegsähnlichen Zuständen. Der Herrscher über Osterreich-Ungarn musste ebenfalls zurücktreten. Sein Reich fiel auseinander, und die einzelnen Völker riefen ihre Selbstständigkeit aus.
Die besiegten Staaten waren nicht handlungsfähig. Gegenüber dem Deutschen Reich wurde auch nach dem Waffenstillstand die Wirtschaftsblockade aufrechterhalten. Daher konnten die Siegermächte die Friedensbedingungen diktieren. Dazu mussten sie sich zuerst aber untereinander einig werden. Entscheidend war dabei die Haltung der Führer der drei wichtigsten Entente-Staaten: Woodrow Wilson (Präsident der USA), David LIoyd George (Ministerpräsident Grossbritanniens) und Georges Clémenceau (Ministerpräsident Frankreichs).
Woodrow Wilson: «Wir müssen es vermeiden, unseren Feinden auch nur den Anschein von Ungerechtigkeit zu geben. Ich fürchte für die Zukunft nicht die Kriege, die durch geheime Verschwörungen der Regierungen vorbereitet werden, sondern vielmehr die Konflikte, die aus der Unzufriedenheit der breiten Masse erwachsen. Wenn wir uns selbst der Ungerechtigkeit schuldig machen, dann ist diese Unzufriedenheit unvermeidbar - mit allen Folgen, die sie nach sich zieht. Daher unser Wunsch, mit Mässigung und Billigkeit zu verhandeln!»
Georges Clemenceau: «Ich glaube, wir können es fertigbringen, die Welt vor einem deutschen Angriff für lange Zeit zu schützen, aber der deutsche Geist wird sich nicht so schnell ändern … Wir dürfen nicht die Verbrechen vergessen, die besonders Deutschland an Polen ... begangen hat ... Nach den grössten Anstrengungen und den gewaltigsten Blutopfern, die die Geschichte je gesehen hat, dürfen wir das Ergebnis unseres Sieges nicht in Frage stellen ... Ich möchte bemerken, dass diese Garantie zur See vorhanden ist: Deutschland hat keine Flotte mehr. Wir brauchen die gleiche Sicherheit zu Lande ... Amerika ist fern, geschützt durch den Ozean. England konnte nicht einmal von Napoleon getroffen werden. Sie sind alle beide geschützt: wir sind es nicht!»
David Lloyd George: «Der englische Arbeiter will das deutsche Volk nicht durch masslose Forderungen erdrücken ... Im Übrigen hat sich in dieser Hinsicht eine deutliche Meinungsänderung vollzogen, seitdem Deutschland auf sein altes politisches System verzichtet hat ... Jedenfalls sind wir dabei, Deutschland einen sehr harten Frieden aufzuerlegen. … Auch wenn wir unsere Bedingungen so niedrig wie nur möglich halten - sie werden auf alle Fälle so sein, wie sie noch niemals eine Kulturnation annehmen musste. Wenn Sie nun dazu noch Bedingungen von geringerer Bedeutung hinzufügen, die als ungerecht angesehen werden könnten, so wird das vielleicht der Wassertropfen sein, der das Glas zum Überlaufen bringt.»
Clemenceau: «Amerika hat die Schrecken dieses Krieges während der ersten drei Jahre nicht am eigenen Leibe erlebt, wir dagegen haben in dieser Zeit 1.5 Millionen Menschen verloren. Wir haben keine Arbeitskräfte mehr. Unsere englischen Freunde, deren Verluste geringer, deren Leiden aber auch schwer genug gewesen sind, werden mich verstehen. Die Prüfungen, die wir zu bestehen hatten, haben in unserem Land ein tief empfundenes Gefühl nach Wiedergutmachung entstehen lassen, die man uns schuldet!»
Die Verhandlungen unter den Siegern fanden in Versailles bei Paris statt. Anschliessend wurden den Vertretern der Besiegten die Friedensbedingungen in verschiedenen Schlössern in den Vororten von Paris vorgelegt (Versailles: Deutsches Reich; Sevres: Osmanisches Reich; Neuilly: Bulgarien; St-Germain: Österreich; Trianon: Ungarn). Einwände wurden nur in geringem Mass berücksichtigt.
Die Schuldfrage
Die Verluste, die Deutschland durch die Verträge hinnehmen musste waren schmerzlich. Doch der grösste Einschnitt war die Schuldfrage. Deutschland musste mit dem Vertrag nämlich die ganze Schuld für den Krieg auf sich nehmen. Das war aus vielerlei Hinsicht unfair. Diese Kriegsschuld begleitete Deutschland nun durch die nächsten 10 Jahre und ermöglichte rechtsextremen Parteien, wie den Nazis, ihre Anhänger*innen zu mobilisieren.
„Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben.“
Die Folgen der Versailler Verträge
Durch diese Friedensverträge wurde die politische Landkarte Europas im Vergleich zur Vorkriegszeit stark verändert. Das österreichisch-ungarische Kaiserreich bestand nicht mehr. Die Sowjetunion hatte die Westgebiete des früheren Zarenreiches eingebüsst. Das Deutsche Reich verlor definitiv 13 Prozent (70 000 Quadratkilometer) seines Territoriums und 10 Prozent (6,4 Millionen) seiner Einwohner, von denen gut die Hälfte deutschsprachig war. Das Saargebiet kam unter die Verwaltung des Völkerbundes; seine Bewohner sollten nach fünf zehn Jahren entscheiden, ob sie zu Deutschland oder zu Frankreich gehören wollten. Die deutschen Kolonien wurden unter Frankreich und Grossbritannien verteilt.
Ausser diesen Gebietsverlusten musste das Deutsche Reich noch weitere Beschränkungen hinnehmen: Sein Heer wurde auf 100 000 Mann mit beschränkter Bewaffnung (keine Flugzeuge, keine Panzer) reduziert, was gerade genügte, die Ordnung im eigenen Land aufrechtzuerhalten. Das Gebiet links des Rheins wurde für einige Jahre von französischen Truppen besetzt und sollte anschliessend entmilitarisiert werden, das heisst für alle Heere, auch das deutsche, gesperrt bleiben.
Vor allem aber hatte das Deutsche Reich die Hauptlast der Kriegsentschädigungen («Reparationen») zu tragen. 1921 wurde die Gesamtsumme für Deutsch land auf 132 Milliarden Goldmark (1 Goldmark = 0,4 Gramm Gold) festgelegt, die in 66 Jahresraten zu bezahlen waren. Begründet wurde dies damit, dass das Deutsche Reich und seine Verbündeten den Krieg verursacht hätten.
Der Bestand der in den Versailler Verträge geschaffenen Ordnung hing von zwei Fragen ab:
- Würden die Besiegten diese Ordnung auf die Dauer hinnehmen?
- Wie würden sich die Sieger beim Versuch eines Besiegten, diese Ordnung zu ändern, verhalten?