Die sogenannten Goldenen Zwanziger waren eine sehr kurze, intensive Periode zwischen 1924 und 1929 in Deutschland. Informieren Sie sich unten über diese Zeit und erläutern Sie, inwiefern die goldenen Zwanziger wirklich so “golden” waren. Machen Sie eine Aufstellung zu den folgenden beiden Fragen und schreiben Sie am Schluss Ihre persönliche Meinung:
- Was war "golden" in den "Goldenen 20er Jahre"?
- Was war nicht so "golden" in den "Goldenen 20er Jahre"?
- Was ist Ihre persönlich Einschätzung?
Argumentieren Sie mit konkreten Beispielen aus den Informationen auf dieser Seite.
- Golden oder nicht?
- Nach der Krise kommt der Aufbruch
- Wirtschaft in den Zwanzigern – Stabilität auf Pump
- Städte werden zu Metropolen
- Lebensgefühl der Zwanziger
Die "Goldenen Zwanziger" waren die Blütezeit der Weimarer Republik zwischen den beiden Weltkriegen. Sie begannen 1924 mit der Einführung der Rentenmark und haben nur etwa 6 Jahre lang gedauert. Denn mit dem Börsencrash 1929 kam die Wirtschaft weltweit zum Einbruch und verursachte bittere Armut und Arbeitslosigkeit. Der Mythos der Zwanziger Jahre glänzt in der Popkultur. Doch wie waren die Goldenen Zwanziger wirklich? Eine Zeit des Fortschritts, der Emanzipation, der blühenden Kultur, aber auch des Elends!
Wir konzentrieren uns hier auf die diese “goldenen Jahre”, in der alles möglich schien und in der sich die Gesellschaft in einem Tempo vorwärts bewegte, wie noch nie zuvor in der Geschichte.
Golden oder nicht?
Nach der Krise kommt der Aufbruch
Vor allem zu Beginn des Jahrzehnts, sind die "Goldenen Zwanziger" keineswegs golden. Die Folgen des verlorenen Ersten Weltkrieges sind in der jungen Weimarer Republik überall spürbar. Viele Menschen leben am Rand des Existenzminimums. Kriegsversehrte und unterernährte Kinder sind ein häufiger Anblick auf den Straßen. Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend lassen die Kriminalität drastisch steigen – ein Fakt, auf dem die Handlung der Kultserie "Babylon Berlin" aufbaut.
1923 verschärft die galoppierende Inflation die Lage, Papiergeld verliert immer schneller seinen Wert. Ab Herbst weigern sich die Bauern und mehrere Firmen, ihre Waren überhaupt noch gegen die Billionen-Scheine abzugeben. In Teilen der Republik kommt es zu Chaos und Plünderungen. Die alte Mittelschicht, die von den Zinsen des ersparten Vermögens lebt, verarmt, während Spekulanten und Kriegsgewinnler ungeniert in Amüsieretablissements ihr Leben genießen.
Am 20. November 1923 wird die Rentenmark (spätere Reichsmark) eingeführt. Mit dieser Währungsumstellung kann die Inflation gestoppt werden. Dies war der Startpunkt für die “Goldenen Zwanziger”.
Wirtschaft in den Zwanzigern – Stabilität auf Pump
Eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs beginnt. Der allerdings fußt auf Anleihen aus dem Ausland. Bis 1929 fließen rund 21 Milliarden Mark Kredite in die Weimarer Republik – vor allem aus den USA.
Die Wirtschaft erholt sich auf ein gesundes Maß – ein wirkliches Konjunkturhoch gibt es eigentlich nur in den Jahren 1926 bis 1928. Im Vergleich zu den vorangegangenen Krisenzeiten geht es den Menschen jedoch so gut, dass sich die zweite Hälfte der Zwanziger Jahre geradezu "golden" anfühlt. In dieser relativ stabilen Situation kommt es außerdem in den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Kultur zu einer Blütezeit.
So plötzlich, wie sie begonnen hatten, sind die "Goldenen Zwanziger" auch wieder zu Ende. Die Weltwirtschaftskrise stürzt auch die Weimarer Republik erneut in eine wirtschaftliche Krise. Soziale Konflikte treten wieder offen hervor und sorgen für politische Radikalisierung, die letztendlich im Nationalsozialismus gipfelt.
Städte werden zu Metropolen
Kein Wunder, dass die sogenannte Landflucht in den Zwanziger Jahren weiter anhält. Die Menschen suchen in den Städten nach Arbeit und einem besseren Leben. Fast ein Drittel der Einwohner der Weimarer Republik lebt jetzt in der Stadt. Leipzig ist in den "Goldenen Zwanzigern" die pulsierende Metropole Mitteldeutschlands. 1930 erreicht die Einwohnerzahl mit mehr als 718.000 Menschen ein bisher nie wieder erreichtes Hoch.
Die Folge der Landflucht: eine extreme Wohnungsnot. Mitte der Zwanziger fehlen im damaligen Deutschen Reich mehr als eine Million Wohnungen. Familienmitglieder müssen sich ihre Betten oft teilen. Die Städte reagieren mit dem Bau von neuen, modernen Wohnquartieren, die unter anderem in Leipzig bis heute das Stadtbild mitprägen. Die bekanntesten Beispiele sind der Lößniger Rundling und die Kroch-Siedlung im Stadtteil Gohlis.
Beide Siedlungen wurden, typisch für die Zwanziger Jahre, im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Sie verkörpern die Ideale des Neuen Bauens der Weimarer Republik. Die Formen sind schlicht, Dekorationen gelten als unnötige Verschwendung – man will die Wohnungsnot ja möglichst schnell lindern. Trotzdem bieten die Wohnungen hohen Komfort, viel Sonne, Luft und Licht, ganz anders als die Mietskasernen der Kaiserzeit mit ihren dunklen Hinterhöfen und beengten Räumen.
Lebensgefühl der Zwanziger
Es ist vor allem das blühende kulturelle Leben, das den "Goldenen Zwanzigern" ihren Ruf verschafft. Denn die Zeit ist geprägt von Zuversicht und Lebensfreude: Es entstehen Cafés, Theater und Varietés. Kinos entwickeln sich zur Massenunterhaltung. Mitte der Zwanziger gehen täglich etwa zwei Millionen Menschen in eine Filmvorführung. Allein in Leipzig gibt es 44 Kinos, mehrere davon auf der Georg-Schwarz-Straße, dem "Broadway Leipzigs". Dank der Einführung des Achtstundentages und Urlaubsregelungen können sich diejenigen, die eine gute Arbeit haben, nun auch diese Freizeitaktivitäten leisten.
Das Nachtleben in den Großstädten ist ausgelassen und freizügig. Es wird Absinth getrunken und in den Ballhäusern tanzt man Charleston. Frauen schneiden sich die Haare zum kurzen Bubikopf und legen sich aufwändige Wasserwellen – und sie nehmen sich die Freiheit, in aller Öffentlichkeit Zigaretten zu rauchen.