Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Deutschland die erste deutsche demokratische Republik. Diese sand aber von Beginn an auf wackligen Beinen. Berichten Sie von der politischen Situation zu Beginn der Weimarer Republik. Gehen Sie dabei besonders auf die Statistiken zu den politischen Morden ein und erklären Sie die folgenden Sachverhalte:.
- Strafverfolgung von Morden
- Umfang der Strafmasse
- Freisprüche
- Politische Gesinnung der Richter
- Einfluss der Dolchstosslegende
Argumentieren Sie mit konkreten Beispielen aus den Informationen auf dieser Seite.
Deutschland wird Republik
Am Ende des Ersten Weltkriegs drängte die oberste Heeresleitung darauf, dem Parlament mehr Macht zu übergeben. Damit wollte man auch einen Teil der Kriegsverantwortung (sprich Schuld) an die Politik abgeben. Sie übergaben die Macht 1918 an die SPD, da diese die meisten Sitze im Parlament hatte. Nach der sogenannten Novemberrevolution im – wait for it – November 1918 wird Deutschland zu einer Republik. Der Regierungssitz wird nach Weimar gelegt, da Berlin noch zu unsicher ist und Friedrich Ebert, der Vorsitzende der SPD, wird zum Reichspräsidenten ernannt. In den ersten Jahren ihrer Existenz hatte die Republik mit gewaltigen Schwierigkeiten zu kämpfen,. Es gab wirtschaftliche und soziale Probleme (hohe Arbeitslosigkeit) sowie eine breite Gegnerschaft gegen das neue System. Diese Gegnerschaft mündete Anfang der Zwanziger Jahre vermehrt in Gewalt.
Die Dolchstosslegende
Die Dolchstoßlegende entstand während der letzten Monate des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918. Das deutsche Kaiserreich stand kurz vor der Niederlage, sein Heer hatte mit immer schwereren Verlusten zu kämpfen. Die Hoffnung auf einen Sieg schwand. Die drohende Niederlage veranlasste die Oberste Heeresleitung dazu, Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten aufzunehmen. Das traf die deutsche Bevölkerung völlig unvorbereitet, da die deutsche Kriegspropaganda bis zum Ende des Weltkriegs den Deutschen ein unbesiegbares Heer an der Front porträtiert und den Sieg in Aussicht gestellt hatte. Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand geschlossen. Die Niederlage wurde in breiten Kreisen der deutschen Bevölkerung jedoch nicht angenommen.
Kein Feind hat euch überwunden! Erst als die Übermacht der Gegner an Menschen und Material immer drückender wurde, haben wir den Kampf aufgegeben.
Die Oberste Heeresleitung griff diese Aussage Eberts auf und bestärkte sie während der Weimarer Nationalversammlung am 18. November 1919. General Erich Ludendorff und einige der Wehrmachtszeitungen hatten bereits vom Verrat von "innen" oder "hinten" gesprochen.
Die braven Truppen, die sich von der revolutionären Zermürbung freihielten, hatten unter dem pflichtwidrigen Verhalten der revolutionären Kameraden schwer zu leiden; sie mussten die ganze Last des Kampfes tragen. Die Absichten der Führung konnten nicht mehr zur Ausführung gebracht werden. So mussten unsere Operationen misslingen, es musste zum Zusammenbruch kommen; die Revolution bildete nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: 'Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden.' Den guten Kern des Heeres trifft keine Schuld. Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen.
Die Aussage Hindenburgs war gefundenes Fressen für rechtsextreme Gruppierungen. Die “Dolchstosslegende” wurde so schnell zu einer einfachen Schuldzuweisung gegen die Regierung, insbesondere Mitglieder und Anhänger der SPD, dem Land im Ersten Weltkrieg in den Rücken gefallen zu sein. Mit der Zeit wurden die Anschuldigungen auch zunehmend Judenfeindlich. Es wurde behauptet das “internationale Judentum” hätte vom Kriegsende profitiert. Solche Theorien entfachten ein Klima von Misstrauen und Gewalt.
Politische Morde
Am 26. August 1921 wurde Matthias Erzberger, Politiker der Zentrumspartei, auf einem Spaziergang im Schwarzwald von zwei ehemaligen Offizieren niedergeschossen. Als die Täter befragt wurden, warum sie diesen Mann ermordet hätten, sagten sie: Das ist der Lump, der das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet hat. Er hat Deutschlands Schande verursacht! Weshalb dieser Zivilist und nicht Hindenburg unterschrieben hatte, wussten sie nicht.
Das gleiche Schicksal wie Erzberger traf im Juni 1922 den Aussenminister Walter Rathenau. Heimtückisch hatte man ihn durch einen Telefonanruf aus seinem Haus im Berliner Grunewald herausgelockt. Als er einige Minuten später im offenen Wagen durch eine einsame Villenstrasse in sein Ministerium fuhr, überholte ihn ein Militärfahrzeug. Gewehrschüsse knallten, eine Handgranate detonierte. Rathenau lag tödlich getroffen in seinem Blut. Warum wurde der Aussenminister ermordet? Für die jungen Leute, die das Attentat durchführten, war Rathenau ein Landesverräter
Politische Morde begangen von | Linksstehenden | Rechtsstehenden | Gesamtzahl |
Gesamtzahl der Morde | 22 | 354 | 376 |
davon nicht strafrechtlich verfolgt | 4 | 326 | 330 |
teilweise strafrechtlich verfolgt | 1 | 27 | 28 |
strafrechtlich verfolgt | 17 | 1 | 18 |
Zahl der Verurteilungen | 38 | 24 | 62 |
Geständige Täter freigesprochen | — | 23 | |
Geständige Täter befördert | — | 3 | |
Dauer der Einsperrung je Mord | 15 Jahre | 4 Monate | |
Zahl der Hinrichtungen | 10 | — | |
Geldstrafe je Mord | — | 2 Papiermark |