Bevor wir mit der Planung eines Projektes beginnen, müssen wir für uns und unsere Schüler*innen klären, welche Ziele wir mit dem Projekt erreichen wollen. Wir müssen also festhalten, welche Inhalte die Schüler*innen lernen und was sie am Schluss des Projektes können sollen.
Bei Projekten, bei denen die Schüler*innen Produkte herstellen, ist es aber nicht immer einfach, festzustellen, was die Schüler*innen wirklich gelernt haben. Wir können zwar Ziele festlegen, die es bei der Erstellung des Produktes zu erreichen gilt, aber wir können schlecht steuern, was die Schüler*innen wirklich gelernt haben dabei. Aus diesem Grund nutzen Wiliam und Leahy den Begriff Lernabsicht (learning intention).
Wir verwenden Lernabsichten, um die Dinge zu beschreiben, die unsere Schüler lernen sollen, und Erfolgskriterien, um die Kriterien zu beschreiben, die wir verwenden, um zu beurteilen, ob die Lernaktivitäten, an denen wir unsere Schüler beteiligt haben, erfolgreich waren. (Wiliam & Leahy 2015. S. 54, Übersetzung Pfeifer)
Anstatt Erfolgskriterien (success criteria) bevorzuge ich aber den Begriff Qualitätskriterien. Auch wenn dabei im Endeffekt dasselbe gemeint ist, möchte ich den Fokus bei der Anwendung stets auf die Qualität des Produktes richten und weniger auf Erfolg oder Misserfolg des Projektes.
Qualitäten
Felix Winter ist überzeugt, dass “die Ausrichtung der Leistungsbeurteilung auf die Qualitäten in Schülerbeiträgen ein Schlüsselkonzept für die lerndienliche Leistungsbeurteilung darstellt” (Winter 2015, S. 41). Anstatt bei einer Beurteilung auf Fehlersuche zu gehen, sollen wir auf Qualitätensuche gehen. Diese zu benennen ist aber nicht immer einfach. Wir können aber in einem ersten Schritt damit beginnen, Qualitäten eines zu erstellenden Produktes aus unserer Lehrpersonenperspektive festzuhalten. Diese Qualitäten können in einem ersten Schritt in groben Zügen umrissen werden. Welche Form oder Struktur soll ein Produkt haben? Welche Bestandteile soll es aufweisen? Welche Mindestanforderungen sollen an die Erstellung gestellt werden?
Es lohnt sich, diese Absichten und Kriterien zu formulieren, bevor man nachher das Projekt und Unterrichtsinhalte plant und gestaltet. Dies muss aber nicht das Ende der Qualitätensuche sein. Im Verlaufe eines Projektes können sich weitere Qualitäten herausstellen, wenn die Schüler*innen beginnen, sich mit dem Lerngegenstand auseinanderzusetzen.
Lernabsichten
Lernabsichten funktionieren am besten, wenn man sie sehr allgemein hält. Sie sollen den spezifischen Kontext des Lernens (also das aktuelle Thema) ausklammern und sich auf Grundsätze des Lernfeldes konzentrieren. Die Lernabsicht ist es nicht, die Abläufe der Russischen Revolution zu kennen, sondern zu wissen, welche Faktoren zu einem gewaltsamen Systemwechsel führen und welche Folgen dies mit sich bringt. Das Gelernte soll auch auf andere Kontexte anwendbar sein.
Qualitätskriterien
Die Qualitätskriterien beziehen sich auf die gewünschten Qualitäten des angestrebten Produkts. Sie zeigen auf, was im fertigen Produkt vorhanden sein muss, damit es als «gut» betrachtet wird.
Auch hier empfiehlt es sich, die formulierten Qualitäten nicht zu spezifisch auf das aktuelle Thema zu beziehen, sondern so zu formulieren, dass sie auch auf andere Themen angewandt werden können. Dies erleichtert es den Schüler*innen bei einem nächsten Projekt einen Lerntransfer herstellen zu können.
Qualitätskriterien können in Form einer Checkliste oder auch als Fragen formuliert werden. Ob Checkliste oder Frage, beides kann von den Schüler*innen genutzt werden, um vor der definitiven Abgabe selbst zu überprüfen, ob das Produkt den Anforderungen entspricht.
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© Lukas Pfeifer, 2025