Die Internetrecherche ist ein Teil der erweiterten Informationskompetenz nach Seufert und Stanoevska (2015). Diese identifizieren sieben Schritte, die durchlaufen werden müssen. Für die Internetrecherche reicht es jedoch, sich auf die ersten fünf Schritte zu konzentrieren.

- 1. Informationsbedarf festlegen
- 2. Informationsquellen auswählen
- 3. Informationssuche
- 4. Informationen bewerten
- 5. Informationen nutzen
- Literatur
1. Informationsbedarf festlegen
Grundsätzlich ist es wichtig, den Informationsbedarf (WAS) und das Informationsziel (WOZU) präzise zu bestimmen, wenn man sich gezielt über etwas informieren möchte.
- Der Informationsbedarf ist dabei inhaltlich eingeschränkt: Was genau muss ich herausfinden, damit ich den gegebenen Auftrag erfüllen kann?
- Das Informationsziel ist wiederum an den gegebenen Auftrag gekoppelt. Hier soll man überlegen, wie der Auftrag formuliert ist, welcher Umfang erwartet wird oder in welchem medialen Format die Informationen später präsentiert werden sollen.
Am einfachsten ist es, wenn Sie zunächst das Informationsziel klären, dann verlieren Sie bei der Suche den Fokus nicht und suchen nicht nach Informationen, die Ihnen gar nichts nützen.
Den Informationsbedarf formulieren Sie am besten als Fragestellung (KOMPASS, Kapitel 4.2). So können Sie sich während der Informationssuche die Frage nochmals anschauen und überprüfen, ob Sie mit den gefundenen Antworten zufrieden sind. Falls nicht, können Sie weiter recherchieren, bis Sie mit der Antwort zufrieden sind.
2. Informationsquellen auswählen
Bei jeder Recherche muss man zuerst entscheiden, welche Informationsquellen dafür geeignet sind. Es stehen zahlreiche Quellen zur Verfügung – Homepages, Beiträge in Sozialen Medien, Zeitungsartikel etc. Unten findet sich ein Überblick der gängigsten Kanäle.
Zur Überprüfung der Verlässlichkeit von unterschiedlichen Quellen und Kanälen gelten dieselben Kriterien wie bei der Bewertung der Informationen, die auf diesen Kanälen angeboten werden.
Damit Sie die für Ihr Informationsbedürfnis passenden Quellen auch finden, müssen Sie die richtigen Kanäle nutzen. Die Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile der wichtigsten Informationskanäle und welche Inhalte üblicherweise wo zu finden sind. (Universität St. Gallen 2021)
3. Informationssuche
Das Durchführen der eigentlichen Suche erfordert minimale technische Kenntnisse und es lohnt sich, sich mit den Funktionsweisen von Suchmaschinen auseinandergesetzt zu haben.
Präzise Suchbegriffe
Wenn Sie nicht nur einfache Fakten suchen (beispielsweise die Höhe des Matterhorns), ist die Suche mithilfe einer Suchmaschine anspruchsvoller. Damit Sie nicht 30 Millionen Treffer generieren, die Sie unmöglich alle durchforsten können, sollten Sie Ihre Suchresultate eingrenzen. Der erste Schritt dazu ist das Definieren von präzisen Suchbegriffen (auch Schlagwörter genannt), welche Ihren Informationsbedarf erfassen.
- Wenige dafür präzise Begriffe: «Pudel» statt «kleiner Hund mit speziellen Ohren»
- Fachbegriffe statt Umgangssprache: «Hund» statt «Wauwau»
- Synonyme: «Hochzeit» und «Heirat» z.B. bei openthesaurus.de «Hochzeit» oder bei Google «Synonym Hochzeit» eingeben
- Übersetzungen von Suchbegriffen: «Pudel» und «poodle», z.B. deepl.com, dict.leo.org, google.com
- Mehrdeutige Begriffe durch weitere Begriffe ergänzen: «Golf» + «Meeresbucht». Alternativ kann man bei den meisten Suchmaschinen Begriffe ausschliessen, indem man ein «-» davorsetzt. Hier z.B. «Golf -ball -sport», damit die Sportseiten nicht angezeigt werden (Universität St. Gallen 2021).
Erweiterte Suche
Auch mit passenden Suchwörtern finden Sie eventuell noch zu viele Treffer, die Sie weiter eingrenzen sollten. Google erlaubt es Ihnen beispielsweise nur Neuigkeiten anzuzeigen, welche in den letzten Stunden oder Tagen veröffentlicht wurden. Unter «Suchfilter» ist es möglich, die Suchergebnisse nach Veröffentlichungszeit zu filtern (Sonnenseite 2017).
Bei allen anderen Suchmaschinen gibt es die Möglichkeit, mithilfe von Suchoperatoren die Suche einzugrenzen. Operatoren sind bestimmte Zeichenkombinationen, welche Ihre Suchresultate verfeinern. So werden nur Resultate angezeigt, bei welchen die beiden Begriffe in exakt dieser Reihenfolge hintereinanderstehen (Hasselbach 2015).
Die wichtigsten Operatoren für Bing, Google und DuckDuckGo finden Sie unter folgenden Links.
4. Informationen bewerten
Es existiert keine Kontrollinstanz, welche die Qualität aller Quellen überprüft. Deshalb ist es wichtig, dass Sie in der Lage sind zu entscheiden, welche Quellen verlässliche Informationen liefern. Dabei helfen uns die 4 Ws (Universität St. Gallen 2021).
Am einfachsten fragen Sie sich dabei Wer? Wann? Was? Weshalb? veröffentlicht hat.
WER steht hinter der Quelle?
Was ist bekannt über die Institution oder die Person, welche eine Quelle herausbringt? Das St. Galler Tagblatt ist z.B. eine aktuelle und verlässliche Quelle. Auf der Plattform Reddit.com hingegen, kann jede Person Beiträge schreiben – dies ist im Hinblick auf die Verlässlichkeit problematisch (Klickwinkel 2018).
Überlegen Sie dazu:
- Was ist bekannt über Firma, Institution und Person?
- Was erfahren Sie im Impressum, das jede Website enthalten muss?
- Haben die Autoren einen fachspezifischen Hintergrund?
- Verfolgen diese Autoren bestimmte Interessen?
- Handelt es sich um Unternehmen, Verein, Staat oder Privatperson?
- Gibt es Stellungnahmen anderer Personen / Institutionen zu den Autoren?
WANN wurde die Quelle veröffentlicht?
Achten Sie besonders auf die Aktualität der Inhalte. Z.B. Online News-Portale wie srf.ch liefern aktuelle Informationen, Beiträge aus einem Lexikon sind meist nicht besonders aktuell.
Der Veröffentlichungszeitpunkt kann auch einen Hinweis zur Motivation (weshalb?) geben. Darum beachten Sie:
- Wurde die unglaubliche Geschichte am 1. April veröffentlicht?
- Wurden die Gerüchte über die Politikerin kurz vor den Wahlen publiziert? (Bundeszentrale für politische Bildung 2012)
WAS steht in der Quelle?
Ist der Inhalt plausibel? Ist der Text voller Sprachfehler? Stützen andere Quellen die Aussagen? 20- Minuten-Berichte z.B. sind meist kurzgehalten und können ein Thema nicht umfassend beleuchten. Dokumentationen in Zeitschriften oder im TV sind oft ausführlicher. Beachten Sie dazu:
- Welche inhaltlichen Informationen bietet die Quelle?
- Wie umfangreich sind die Inhalte zu einem Thema?
- Wie werden die Inhalte dargestellt (zum Beispiel sachlich-neutral, reisserisch, suggestiv)?
- Werden verschiedene Perspektiven berücksichtigt?
- Widersprechen die Inhalte anderen verlässlichen Quellen?
- Wie hoch ist der Anteil von Werbung, kostenpflichtigen Inhalten oder Popups?
Überprüfen Sie auch immer, welche Quellen und Referenzen (Verweise) verwendet werden:
- Gibt es Belege wie Quellenangaben, Zitate und Verweise?
- Werden als Referenzen Links angegeben, so dass sich die Verweise leicht überprüfen lassen?
WESHALB wurde die Quelle erstellt?
Wer ist das Zielpublikum? Je nach Ziel der Quelle wird ein Fachpublikum oder ein Laienpublikum angesprochen, potentielle Kund*innen oder Leute mit einer bestimmten politischen Meinung. Überlegen Sie sich immer, wer wohl das Zielpublikum ist, dann können Sie die Quelle besser beurteilen.
Für wen wurde die Quelle erstellt? Was soll mit der Quelle bewirkt werden (informieren, Produkte verkaufen etc.)? Während ein Beitrag im Nachrichtenformat z.B. vor allem informieren soll, zielt eine Unterhaltungssendung darauf ab, Sie zu amüsieren.
Was ist das Ziel der Quelle? (Deutscher Bildungsserver 2022)
- Unterhaltung
- Meinungsbildung
- Information
- Verkauf / Werbung
5. Informationen nutzen
Machen Sie sich bei der Erfassung der Quellen Notizen! Notieren Sie sich neben den Inhalten auch die Quelle. So finden Sie Informationen schnell wieder und können auch anderen mitteilen, woher Sie Ihre Informationen haben.
Während Sie recherchieren, sollten Sie unbedingt alle Quellen direkt in einem Verzeichnis sammeln. Am einfachsten erstellen Sie ein Word Dokument oder eine OneNote Seite und deponieren dort die Links, die Sie interessieren. Notieren Sie auch das Datum Ihrer jeweiligen Recherche.
Während dem Sichten (Lektüre, Videos anschauen etc.) der Informationen macht es Sinn, sich auch bereits Notizen zu den gefundenen Infos zu machen. So vergessen Sie nicht, was Sie alles gelesen, gesehen und gehört haben. Am besten erstellen Sie eine Tabelle oder eine Skizze (z.B. Mindmap). (Deutscher Bildungsserver 2022)
Wenn Sie mit einer Tabelle arbeiten, können Sie alle relevanten Informationen zu den jeweiligen Quellen übersichtlich zusammenstellen. Natürlich können Sie Tabellen auch mit einer übersichtlichen Skizze kombinieren. Das folgende Beispiel zeigt, wie man die Quellen in einer Tabelle sammeln kann.
Quelle | Quellentyp | Autorin & Institution | Aktualität & Verlässlichkeit | Inhalt |
YouTube Erklärvideo / Werbevideo | Channelfactory (Unternehmen) | 2013 (nicht sehr aktuell) Werbevideo (nicht verlässlich) | Es braucht professionelle Videos, um erfolgreich zu sein. |
Literatur
Brühlmann, E. (2007). Wie beschaffe ich Informationen im Internet?
Bundeszentrale für politische Bildung (2012). Internetseiten beurteilen.
Deutscher Bildungsserver (2022). Informationen analysieren/ evaluieren/ selektieren.
Hasselbach, H. (2015). Googeln wie ein Profi - 20 Tipps zur Google Suche. Neuland Tipps, [YouTube].
Klickwinkel (2018). News oder Fake News. [YouTube].
Lewandowski, D. (2019). Suchmaschinen verstehen. Search Studies, [YouTube].
Pädagogische Hochschule FHNW (o.J). Thesen verfassen.
Richter, S. (2012). Hinweise zur Formulierung von Thesen, Hypothesen und Leitfragen. Universität Hildesheim.
Seufert, S., Stanoevska, N. (2015). 7i-Informationskompetenzmodell. HSG St. Gallen.
Seufert, S., Guggemos, J., Moser, L. (2018). Informationskompetenz. Folio. Abgerufen am 26.05.23 von
Sonnenseite (2017). 15 Arten, auf Google zu suchen, die 96 % der Benutzer nicht kennen. Sonnenseite, [YouTube].
Universität St. Gallen (2021). Zur Förderung von Informationskompetenz. Institut für Wirtschaftspädagogik [Kursmaterialien].
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