“Nobody does a single draft house design - not in real life, not in the classroom.” (Berger 2003, S. 91)
Ron Berger trifft mit seiner Aussage zur Arbeit mit Entwürfen den Nagel auf den Kopf. Kein Produkt von hoher Qualität ist nach einem ersten Entwurf bereits ausgereift. Dies bedeutet aber, dass wir, wenn wir hohe Qualität von den Schüler*innen verlangen, wir ihnen auch die Möglichkeit geben müssen, diese Qualität zu entwickeln.
Die Schüler*innen machen in ihrem Schulalltag die Erfahrung, dass jedes Projekt oder jede schulische Leistung nach der Abgabe abgeschlossen ist. Der Gedanke, dass ein Entwurf einer Arbeit genutzt werden kann, um den Fortschritt oder die Planung zu diskutieren, ist für die meisten ungewohnt. Und gerade deshalb ist das Arbeiten mit unfertigen Texten oder Produkten zentral, wenn man einerseits die Qualität der Produkte verbessern aber auch ihren Blick auf die eigene Arbeit schärfen möchte.
Die Arbeit an Entwürfen ist aber nur dann wirksam, wenn die Schüler*innen regelmässige Rückmeldungen erhalten. Diese können von mir als Lehrperson stammen oder aber aus dem Austausch mit ihren Peers. Je mehr Erfahrung sie mit der Arbeit an Entwürfen haben, desto einfacher wird es ihnen fallen, den Fortschritt und die Qualität ihrer Arbeit selbst einzuschätzen.
Konzeptionsphase
Eine Möglichkeit mit Entwürfen zu arbeiten ist es z.B. die Schüler*innen anhand von Mindmaps eine Struktur ihres Produktes zu erstellen. Dies hilft ihnen, den Auftrag in Einzelteile herunterzubrechen und so die Arbeit auch als eine Reihe von kleinen Aufgaben anzusehen, die für die Fertigstellung ausgeführt werden müssen.
Eine andere Möglichkeit wäre es, die Schüler*innen Abstracts oder eine Konzept für ihr Projekt schreiben zu lassen, in dem sie die wichtigsten Aspekte, Fragestellungen oder Argumente ausformulieren. Dies könnte auch in der Form einer Einleitung sein, die alle zu einem fixen Zeitpunkt im Projekt erstellen und abgeben müssen.
Entwürfe als Dokumentation
Die Arbeit mit Entwürfen muss regelmässig geübt werden. Dazu gehört auch, dass die Schüler*innen Entwürfe nutzen, um ihren Fortschritt im Projekt zu dokumentieren. Dies kann ihnen als Grundlage für die spätere Reflexion des Prozess dienen oder für Einträge in ihrem Lernjournal.
Deshalb muss man die Schüler*innen anleiten, alle Entwürfe zu behalten. Anstatt einen Text immer und immer wieder zu überarbeiten, sollen die Schüler*innen von jedem Entwurf eine Kopie erstellen. Jede Überarbeitung soll an einer neuen Kopie durchgeführt werden.
Dies ist zwar mit einem Aufwand verbunden und erfordert ein Management von mehreren Dateien, dafür können Sie am Ende auf eine sichtbare Entwicklung des Produktes zurückblicken. Damit wird ihr Lernprozess sichtbar.
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© Lukas Pfeifer, 2025