Mit dem Zusammenbruch der Börse in New York kommen die Goldenen Zwanziger zu einem abrupten Ende. Informieren Sie sich über die Ursachen und Folgen des Börsencrashs und erklären Sie die Zusammenhänge anhand der untenstehenden Darstellung. Fügen Sie dazu so viele der rot gefärbten Begriffe im Text in die Darstellung ein und erläutern Sie Ihre Darstellung in einem Screen-Recording, oder sie kommen zu mir und erklären mir die Zusammenhänge mündlich.
Beschriften Sie das Screen-Recording und fügen Sie es an die Teams-Aufgabe an.
- Überblick
- Begriffe
- Der Börsencrash
- Die Entstehung der Krise
- Von der amerikanischen Krise zur Weltwirtschaftskrise
- Leben in der Krise
- Die politischen Folgen in Deutschland
Überblick
Begriffe
Eine Aktie ist ein Besitzanteilschein an einem grösseren oder grossen Unternehmen. Erwirtschaftet ein Unternehmen einen Gewinn, so bezahlt es den Aktionären einen Gewinnanteil, die Dividende. Aktien können an den Börsen gekauft und verkauft werden. Dabei verändert sich der Preis (Kurs) der Aktien ständig. Nimmt man allgemein an, ein Unternehmen entwickle sich günstig und werde wohl regelmässig Dividenden zahlen können, beurteilt man zudem auch die allgemeine Wirtschaftslage positiv, dann steigt der Preis der Aktien. Sind die Prognosen dagegen ungünstig, so tritt ein Kurszerfall ein. Ein Besitzer von Aktien, deren Preis sinkt, erleidet einen Vermögensverlust. Aktien werden nicht nur erworben, um regelmässig eine Dividende zu erhalten. Viele Leute kaufen Aktien in der Erwartung eines Kursanstiegs. Sie hoffen, zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien zu einem höheren Preis verkaufen zu können und so einen Gewinn zu erzielen.
Ein «Börsencrash», das heisst ein allgemeiner und rascher Kursrückgang, kann eintreten, wenn die Aktienkurse zuvor während längerer Zeit stark gestiegen sind und viele Aktionäre nun den Zeitpunkt für einen einträglichen Verkauf für gekommen halten. Sind nun plötzlich mehr Verkäufer da als Käufer, so sinken die Kurse. Dies bewegt widerrum weitere Aktionäre, ihre Aktien ebenfalls zum Verkauf anzubieten, wodurch die Kurse noch mehr sinken.
Der Börsencrash
Ende Oktober entstand eine Panik unter den New Yorker Aktienhändlern. Viele hatten ihre Aktien mit Geld bezahlt, das sie von den Banken geliehen hatten. Da nun die Aktien ständig an Wert verloren, konnten sie diese Darlehen nicht mehr zurückzahlen. Viele mussten anderen Besitz verkaufen oder sogar den Konkurs anmelden.
«ln den Büros der Börsenmakler löste eine aufregende Szene die andere ab. Zahlreiche Personen, besonders weibliche Spekulanten, fielen in Ohnmacht, als sie erfuhren, dass sie ihr Kapital verloren hatten. Verzweiflungs- und Wutausbrüche waren an der Tagesordnung. Auch im Inseratenteil der Zeitungen machte sich bereits der Börsenzusammenbruch bemerkbar. Zahlreiche Luxusautomobile der teuersten ausländischen Marken und wertvoller Schmuck werden zum Verkauf angeboten von Leuten, die noch gestern Millionäre waren ... Sogar in den Strassen der Stadt ist der Eindruck der Börsenkatastrophe deutlich bemerkbar. Überall sieht man verzweifelte und niedergeschlagene Gesichter.»
Die Entstehung der Krise
Der Börsencrash entwickelte sich schnell zu einer Bankenkrise. Nun gerieten die Banken in Schwierigkeiten. Viele Kunden wurden unruhig und wollten oder mussten ihr Geld von ihrem Bankkonto abheben. Weil aber die Banken ihr Geld von den Börsenspekulanten nicht zurückerhielten und zudem oft auch selbst an der Börse Verluste erlitten hatten, fiel ihnen die gewünschte Auszahlung schwer. Manche Bank schloss ihre Tore.
Diese Bankenkrise entwickelt sich nun zu einer Industriekrise. Um die drängenden Kunden zu befriedigen, verlangten die Banken nun Darlehen (Kredite) zurück, die sie Unternehmern gewährt hatten. Die amerikanische Industrie hatte sich in den zwanziger Jahren stark entwickelt; 1929 produzierte sie 75 Prozent mehr als 1913. Die Amerikaner leisteten sich Kühlschränke, Autos, Radios und Einfamilienhäuser - oft allerdings auf Abzahlung. Die Konkurrenz zwischen den einzelnen Unternehmern war jedoch gross. Daher wurden die Preise so tief wie möglich gehalten. Viele Firmen konnten trotz eines guten Geschäftsgangs nur wenig ersparen und erweiterten ihren Betrieb vor allem durch Bankkredite. Als die Banken diese nun plötzlich zurückforderten, gerieten sie ebenfalls in Zahlungsschwierigkeiten.
Der Fall der Aktienkurse und die Konkurse vieler Börsenhändler, Banken und Unternehmen führten zu allgemeinem Pessimismus. Die Industriellen schränkten ihre Produktion ein. Sie verzichteten auf neue Maschinen und Fabriken: einerseits fehlte ihnen das Geld, anderseits hielten sie die Absatzmöglichkeiten für gering. Arbeiter und Angestellte wurden in Massen entlassen. Wer seine Stelle behielt, musste Lohneinbussen in Kauf nehmen. Arbeitslose waren aber schlechte Kunden; je mehr die Arbeitslosigkeit zunahm, desto mehr sanken die Produktion und der Verkauf der Waren. Auch die Preise sanken, doch nützte dies all jenen wenig, die gar kein Geld mehr hatten.
Von der amerikanischen Krise zur Weltwirtschaftskrise
Die Krise blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Geriet die bedeutendste Wirtschaftsmacht der Weit - in den USA wurden damals 45 Prozent aller Industriegüter der Weit hergestellt - in Schwierigkeiten, so hatte dies auch für die übrigen Staaten Konsequenzen.
«Die ersten weltwirtschaftlichen Rückwirkungen der New Yorker Börsenkatastrophe sind mit unheimlicher Geschwindigkeit zutage getreten. Wall Street hatte das akute Stadium der Krise noch nicht einmal hinter sich, als schon Hunderte von Diamantenschleifern in Amsterdam sich von einem Tag auf den andern auf das Pflaster geworfen sahen […] Ungefähr zur gleichen Zeit […] liefen im schweizerischen Jura die Telegramme ein, die die üblichen hohen amerikanischen Aufträge bei unserer Uhrenindustrie beschnitten […] Nicht weniger überraschend haben die New Yorker Ereignisse das Hotelgeschäft an der Riviera verdorben […] »
Die wirtschaftliche Lage der europäischen Länder war schon vorher ungünstiger gewesen als in den USA. Vor allem in Grossbritannien und Deutschland bestand immer eine beträchtliche Arbeitslosigkeit. Die deutsche Wirtschaft hatte sich nach dem verlorenen Krieg und der katastrophalen Inflation vor allem mit Hilfe amerikanischer Darlehen wieder ein wenig entwickelt. Reserven für schlechtere Zeiten waren aber kaum vorhanden. Als nun die amerikanischen Geldgeber unter dem Druck der Krise diese Darlehen zurückforderten, gerieten viele Firmen und Stadtverwaltungen in grosse Zahlungsschwierigkeiten. Sehr rasch trat in Europa die gleiche Entwicklung wie in Amerika ein.
«Die Wirtschaftslage ist durch einen ausserordentlich hohen Stand der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Die industrielle Produktion ist im Ganzen weiter zurückgegangen. Die Bautätigkeit ist beträchtlich eingeschränkt worden. Die schwierige Lage der Landwirtschaft hat sich noch verschärft […] Die Wettbewerbsschwierigkeiten auf den Auslandmärkten haben zugenommen.»
ln den Wintern 1931 /32 und 1932/33 zählte man im Deutschen Reich über 6 Millionen Arbeitslose (Einwohnerzahl: 66 Millionen), in den Vereinigten Staaten zur gleichen Zeit 13 Millionen (Einwohnerzahl: 124 Millionen). Weitere Millionen leisteten Kurzarbeit. Zahlreiche Bauern und Gewerbetreibende standen wegen der sinkenden Preise und der geringen Kauflust vor dem Ruin.
Sehr stark betroffen wurden auch die südamerikanischen Staaten und die Kolonien in Afrika und Asien. Diese lebten von der Ausfuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Die Krise in den Industriestaaten bewirkte, dass die Nachfrage nach solchen Gütern zurückging. Das führte zu einem Preiszusammenbruch. So deckte der Preis für brasilianischen Kaffee zeitweise nicht einmal mehr die Kosten des Transports nach Europa, so dass Schiffe und Dampflokomotiven mit Kaffee geheizt wurden.
Eine Zusammenarbeit zwischen den Staaten zur Lösung der Krise kam nicht zustande. Jeder versuchte, seine eigene Wirtschaft so gut wie möglich zu schützen, indem er Einfuhren verhinderte. Dies geschah vor allem durch die Erhöhung der Zölle. Daher ging der internationale Handel ganz besonders stark zurück.
Leben in der Krise
Die Krise liess viele Menschen verzweifeln; es schien kein Mittel gegen sie zu geben. Die Aussicht, Arbeit zu bekommen, war gering. Die Unterstützung der Arbeitslosen reichte kaum für das Allernötigste.
«Nach den Angaben des Arbeitsamtes in Berlin Neukölln beträgt der Reichsdurchschnitt der Unterstützung, die ein beschäftigungsloser Arbeiter mit Frau und Kind bezieht, 51 Mark im Monat. Gemäss den Berechnungen dieser offiziellen Stelle kommen Miete, Beleuchtung, Beheizung und unvermeidliche Nebenausgaben auf ein Minimum von 32,50 Mark im Monat. Für die Ernährung dreier Menschen bleiben also 18,50 Mark im Monat übrig ... Auf Grund dieser Berechnung habe ich in meiner eigenen Küche die Tagesverpflegung einer Person ausgewogen. Das Rohmaterial für die drei Mahlzeiten findet auf einem Fleischteller bequem Platz. Es besteht aus sechs kleinen Kartoffeln, fünf mitteldicken Scheiben Brot, einem Stückehen Kohl, das ungefähr faustgross ist, und einem Stückehen Margarine von etwa 16 Kubikzentimetern. Das ist die Wochentagsration, und an drei Sonntagen im Monat kann jeder Erwachsene ausserdem noch einen Hering essen, während das Kind jeden Sonntag einen Hering essen und wohl täglich einen halben Liter Milch bekommen kann ... »
Viele Menschen fragten sich, ob nicht die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung geändert werden müsse, um bessere Lebensbedingungen zu schaffen.
Die politischen Folgen in Deutschland
«Sechs Millionen Arbeitslose, deren Geschick die gleiche Zahl von Angehörigen trifft, also rund ein Fünftel unseres Volkes! Unter diesen sechs Millionen Arbeitslosen zwei Millionen unter 25 Jahren. Von diesen zwei Millionen ist eine Million unter 21 Jahren. Eine Million junger Menschen also, die das Leben vor sich haben, ohne eine Arbeitsstätte zu finden ... Wundert Sie, dass in den Herzen und Sinnen dieser Million Jugendlicher ein Radikalismus aufquillt, der nur vom Untergang und von der Zerschlagung alles Bestehenden Besserung erwartet und auf ihn seine Hoffnungen setzt?»
Durch Geschichte zur Gegenwart, Band 3, S. 42-45