1923 war ein Krisenjahr, das Deutschland erschüttert hat. Informieren Sie sich unten über die Zustände 1923 und argumentieren Sie anschliessend, ob die fünf Thesen zutreffen oder nicht. Begründen Sie Ihre Einschätzungen bei jeder These.
- Die Reichsbank erhöhte die Menge des umlaufenden Geldes, um die Schulden im In- und Ausland begleichen zu können.
- Der „Passive Widerstand'' im Ruhrgebiet war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
- Der „kleine Mann" hatte seine Ersparnisse verloren, weil die Goldmark an Wert verlor.
- Obwohl sich Hitler bei seinem Putsch verkalkuliert hatte und in Gefängnis kam, konnte er profitieren.
- Das Jahr 1923 war von Unruhen geprägt, weil die Menschen kein Vertrauen in den neuen demokratischen Staat hatten.
Argumentieren Sie mit konkreten Beispielen aus den Informationen auf dieser Seite.
Ruhrkampf
Der Staat hatte sich, um die Kriegskosten finanzieren zu können, bei der Bevölkerung ungeheuer verschuldet. Nach dem Krieg kamen die Reparationen hinzu, die Deutschland in harter Währung, in Goldmark, bezahlen musste. Aber woher das Geld nehmen? Die Reichsbank erhöhte laufend die Menge des umlaufenden Papiergeldes (sog. Papiermark), was den Wert der Währung stark drückte. Es kam zu einer galoppierenden Inflation (Geldentwertung).
Frankreich fürchtete, dass Deutschland nicht mehr zahlen könnte, und besetzte Anfang 1923 zusammen mit belgischen Truppen das Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet war ein enorm wichtiges Gebiet für die deutsche Wirtschaft, weil dort ein Grossteil der Kohle geborgen wurde. Die französisch-belgischen Truppen wollten somit sicherstellen, dass die Reparaturzahlungen, die Deutschland ihnen schuldete auch gezahlt wurden. Wenn auch in Materialien (Kohle, Stahl etc.).
Inflation
Die Reichsregierung verkündete den „passiven Widerstand". Die Eisenbahner streikten. Viele Betriebe lagen still. Militante Gruppierungen aus dem rechten und linken Lager gingen sogar zu Sabotageakte über, um die französischen Transporte zu behindern. Die Bevölkerung des besetzten Gebietes musste vom Reich finanziell unterstützt werden. Das kostete schliesslich täglich 40 Millionen Goldmark. Dadurch galoppierte die Inflation noch schneller.
Die Deutschen mussten den „passiven Widerstand" aufgeben. Die Regierung trat zurück. Als neuer Reichskanzler wurde Gustav Stresemann von der Deutschen Volkspartei gewählt und beendete den aussichtslosen Ruhrkampf.
Im November 1923 erhielt Deutschland eine neue Währung: die „Rentenmark". Eine Rentenmark entsprach dem Wert einer Billion Inflationsmark. Das neue Geld behielt seine Kaufkraft. Aber der kleine Mann hatte seine Ersparnisse verloren und war verarmt. Der Staat allerdings war durch Inflation und Währungsreform seine Schulden im Inland losgeworden.
Der Hitlerputsch
In den letzten Wochen der Inflationszeit 1923 brachen in Deutschland erneut Unruhen aus: In Hamburg erhoben sich Arbeiter unter Führung der Kommunisten; in Sachsen und Thüringen, wo ebenfalls Aufstände drohten, griff die Reichswehr ein. Aus Protest gegen die Beendigung des Ruhrkampfes verkündete die bayrische Regierung den Ausnahmezustand. Sie wollte die bayrische Monarchie wieder errichten und stützte sich auf nationale Wehrverbände und auf die bayerischen Kontingente der Reichswehr. Unter den Wehrverbänden war auch die SA (Sturmabteilung), die Kampftruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Ihr Führer, Adolf Hitler, glaubte, die Macht an sich reissen zu können. Sein Ziel war es, die Berliner Reichsregierung zu stürzen.
In der Nacht vom 8. zum 9. November 1923 versuchte Hitler in München mit Hilfe seiner SA einen Putsch. Er wollte zuerst die Macht in Bayern organisieren und dann sollte mit Unterstützung der Reichswehr der „Marsch auf Berlin" folgen. Dabei versuchte er sein Vorbild, den Diktator Benito Mussolini zu imitieren.
Aber die Reichswehr machte nicht mit, der Putsch misslang. Hitler und seine engsten Anhänger kamen wegen Hoch- und Landesverrat vor Gericht. Das Urteil lautete 5 Jahre Festungshaft. Doch Hitler verbrachte nur gut 8 Monate in milder Haft, er wurde vorzeitig entlassen. In der Haft schrieb er „Mein Kampf", die spätere „Bibel" der Nationalsozialisten.
"Wenn ich meine Tätigkeit wiederaufnehme, werde ich eine neue Politik befolgen müssen. Statt die Macht mit Waffengewalt zu erobern, werden wir zum Verdruss der katholischen und marxistischen Abgeordneten unsere Nasen in den Reichstag stecken. Zwar mag es länger dauern, sie zu überstimmen als sie zu erschießen, am Ende aber wird uns ihre eigene Verfassung den Erfolg zuschieben. Jeder legale Vorgang ist langsam, doch werden wir früher oder später die Mehrheit haben- und damit Deutschland."