Die Kunstszene explodierte förmlich in den Zwanziger Jahren und setzte sich äusserst kritisch und eigenwillig mit den Themen der Zeit auseinander. Das gefiel nicht allen. Berichten Sie über die Entwicklungen der Kunst in den Zwanziger. Gehen Sie dabei auf die folgenden Aspekte ein:
- Nennen Sie Themen, die die Kunstschaffenden in der Weimarer Republik beschäftigten.
- Beschreiben Sie neue Stilrichtungen und Kunstformen und berichten Sie von einem Beispiel, das Sie besonders beeindruckt hat.
- Gehen Sie auf Argumente von Kritiker*innen gegen diese Kunst zusammen und beurteilen Sie deren Gehalt.
Argumentieren Sie mit konkreten Beispielen aus den Informationen auf dieser Seite.
Die Goldenen Zwanziger waren nicht nur wirtschaftlich sehr erfolgreich sondern auch eine Epoche, in der besonders die Künste florierten. Diese setzten sich aber viel kritischer mit ihrem Umfeld auseinander als noch im 19. Jahrhundert.
Kunst im Widerstreit
Infolge der wirtschaftlichen und politischen Erholung nach dem Krisenjahr 1923 sprach man schon bald von den „Goldenen Zwanzigern". In den Metropolen, vor allem in Berlin, vergnügte man sich zur neuen, aus den USA importierten Musik. Aber manche Zeitgenossen, vor allem viele Künstler, sahen hinter die goldglänzenden Kulissen ihrer Zeit: In allen Sparten der Kunst setzte man sich intensiv mit den im Weltkrieg durchlittenen Schrecken und mit den gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Spannungen der Nachkriegszeit auseinander.
Dabei entwickelten sich sehr unterschiedliche, auch gegensätzliche Ausdrucksformen. In der Malerei prägte sich die vom Gegenständlichen abgelöste abstrakte Kunst aus.
Seit der Zeit der Renaissance hatte ein Maler oder Bildhauer versucht, einen Gegenstand so abzubilden, wie er ihn in der Natur sah und wie ihn auch ein anderer Betrachter vom gleichen Standort aus sehen konnte. Seit der Jahrhundertwende setzte die Entwicklung zur «Abstraktion», zur Loslösung von der sichtbaren Wirklichkeit ein, wobei sich verschiedene Richtungen abzeichneten: Einige Maler benützten den Gegenstand, den sie malten, um ihre eigene seelische Stimmung auszudrücken («Expressionisten»). Anderen ging es darum, die «eigentlichen Wesenszüge», die «Struktur» des Gegenstandes, gelöst vom Eindruck des menschlichen Auges, darzustellen.
«Wir werden nicht mehr den Wald oder das Pferd malen, wie sie uns gefallen oder scheinen, sondern wie sie wirklich sind, wie sich der Wald oder das Pferd selbst fühlen, ihr absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt, den wir nur sehen.»
Da diese Künstler das Dargestellte oft auf einfache geometrische Grundformen reduzierten, nannte man sie «Kubisten» (lateinisch cubus = Würfel). Eine weitere Gruppe verzichtete ganz auf die Wiedergabe räumlicher Formen und schuf statt dessen Kompositionen farbiger geometrischer Flächen (etwa Wassily Kandinsky); Farbkompositionen sollten in ähnlicher Weise auf das Auge wirken Wie Tonkompositionen auf das Ohr.
Eine ausgesprochene Protestkunst vertraten die «Dadaisten». Diese Bewegung entwickelte sich in einer Gruppe junger Künstler aus verschiedenen Ländern, die sich 1916 in Zürich trafen; der Name «Dada» bedeutete «Holz- oder Steckenpferd» und wurde zufällig beim Herumblättern in einem französischen Wörterbuch gefunden. Die Dadaisten lehnten alle bisherige Kunst mit ihren Merkmalen — Schönheit, Ordnung usw. — ab und stellten ihr Gewöhnlichkeit, Unordnung, Zufall gegenüber. So schufen sie eine “Antikunst”. Alltagsgegenstände wurden zur Kunst erklärt, Gedichte aus unzusammenhängenden Wörtern und Lauten geschaffen und das Publikum an Veranstaltungen schockiert und provoziert. Die Dadaisten waren stark geprägt von den Schrecken des Krieges: Das Blutbad hatte ihrer Meinung nach alle überlieferten Anschauungen und Werte als nichtig.
Der Surrealismus war eine weitere Kunstrichtung, die ausgehend von Paris in den frühen Zwanzigern an Fahrt gewann. Die «Surrealisten» versuchten das Unwirkliche und Traumhafte der gesellschaftlichen Realität sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und darzustellen. In dem von André Breton (1896-1966) 1924 veröffentlichten "Surrealistischen Manifest" plädiert der Autor für eine "Aufhebung" dieser Widersprüche von Irrealität und Realität in einer absoluten "Über-Wirklichkeit", in dem die gewohnten Denk- und Wahrnehmungsarten ihre Geltung verloren haben.
Viele Künstler wandten sich auch wieder der realistischen Gestaltung der Wirklichkeit ihrer Zeit zu. Für diese Stilrichtung setzte sich der Begriff «Neue Sachlichkeit» durch, nicht nur in der Malerei, sondern auch in Stadtplanung, Wohnungsbau, Wohnkultur und Mode. Darüber hinaus wurde er bald der Begriff für eine verbreitete Lebenssicht und Bewusstseinshaltung vor allem der Bevölkerungsschichten, die für die Republik und für moderne Entwicklungen überhaupt aufgeschlossen waren.
All diese neuen Richtungen machten es dem Betrachter nicht leicht, Er konnte nicht einfach vor ein Bild stehen und befriedigt feststellen, er «sehe es auch so», sondern musste das, was er sah, analysieren und in ihm einen Sinn finden.
Die Stützen der Gesellschaft
„Stützen der Gesellschaft“ nennt George Grosz mit falscher Hochachtung sein bizarres Zerrbild, das typische Vertreter der selbstzerstörerischen Zwanziger Jahre darstellt. Grosz rückt ihnen mit drastischen Mitteln zu Leibe.
- Geistlicher
- ehemaliger Kavallerieoffizier
- Parlamentarier
- Pressevertreter
- Reichswehroffizier
Auf dem Bild sind 5 Personen deutlich und einige andere schemenhaft zu erkennen. Die 5 Hauptpersonen scheinen beliebig angeordnet und im Raum auf verschiedenen Ebenen sich überschneidend verteilt zu sein, was das Bild hektisch wirken lässt.
Der Mann links unten im Bild hat einen umgestülpten Nachttopf auf dem Kopf, Palmwedel, Zeitungen und einen Stift in den Händen, während der vernarbte Mann schräg rechts unter ihm einen Degen und ein Glas Bier in den Händen hat. Er hat einen aggressiven Gesichtsausdruck und ein Hakenkreuz auf seiner blauen Krawatte. Aus seinem aufgeschnittenen Kopf springt unerkennbares Gewirr. Der Mann schräg rechts oben hat ebenfalls einen aufgeschnittenen Kopf aus dem ein dampfender Haufen Kot herausschaut. Er hat eine schwarz-weiß-rote Fahne, die für das untergegangene Kaiserreich steht, und ein Schild mit der Aufschrift „Sozialismus ist Arbeit“ in der Hand. Etwas weiter hinten, mittig im Bild streckt ein Geistlicher die Hände zu einem offenen Fenster, aus dem Flammen kommen. Wieder etwas weiter hinten, sind Soldaten mit Degen in den Händen zu erkennen.